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Hier gibt es selbstgeschriebene Stories, rund um meine Person. Natürlich habe ich sie von den Originalszenen abgeändert.

 

SABINES  INTRIGE                                               19.01.05

 

Nachdem Mama mich wieder mit nach Northeim genommen hatte, war nichts mehr so, wie es war. Ständig mußte ich an meinen Vater denken. Meinen leiblichen! Wie konnte sie ihn mir nur all die Jahre vorenthalten? Ich ertrug ihre verdammte Fröhlichkeit nicht. Wie konnte sie einfach so wieder zur Tagesordnung übergehen? Hatte sie denn überhaupt kein Gefühl? Mißmutig starrte ich auf meinen Teller. Mama kam mit noch mehr zu Essen an. Aber, ich hatte überhaupt keinen Hunger. "Nicht so viel!", sagte ich zu ihr. "Wieso, das ist doch eine Mini-Portion!", erwiderte sie. "Ich will aber trotzdem nicht so viel! Hab keinen Hunger!", sagte ich trotzig. Sabine stellte die Pfanne wieder zurück und setzte sich zu mir. "Wieso denn? Geht´s Dir nicht gut?" "Doch, doch!", log ich und schob mir eine volle Gabel mit Bratkartoffeln in den Mund. "Stell Dir mal vor, Dein Vater kommt extra früher von seiner Geschäftsreise, um Dich zu sehen!" "Toll!", sagte ich gequält. Aber, bei Vater mußte ich immer an meinen leiblichen Vater denken. War ich ihm denn so egal? Anfangs war er doch auch so nett gewesen. Was hatte er denn auf einmal? Plötzlich hielt ich es nicht mehr aus und sagte: "Man, Mama, ich kapier´s nicht. Vorher war er doch auch so nett gewesen und jetzt?" "Bedenke, da wußte Clemens ja auch noch nicht, daß Du sein Sohn bist!" "Das muß wohl ein schlimmer Schock für ihn gewesen sein!" "Weiß ich nicht!", sagte Sabine barsch und dann fragte sie in ihrem süßesten Ton: "Willst Du noch ein Eis? Wir haben noch Pfirsisch und Vanille da!" "Nein, keine Lust! Danke!", erwiderte ich genervt. Wieso lenkte sie dauernd ab? "Aber, ich kann ihm doch nicht so egal sein, Mama!" "Da siehst Du, was Du ihm wert bist! Daß er Dir den Scheck zuschicken will, sagt doch schon alles! Es ist besser, wenn Du ihn ein für allemal vergißt!" "Aber, das kann ich nicht! Er ist mein leiblicher Vater!" "Na und? Du HAST schließlich einen Vater! Quäl Dich nicht so rum. Volker hat gesagt, daß er Dir auch was Schönes mitbringt!" "Wie schön!", sagte ich gelangweilt und verzog den Mund. "So schlimm kann er doch nicht gewesen sein! Immerhin warst Du mit ihm in der Kiste! Erzähl doch mal! Wie war er so?" "Es ist zu lange her, Tim! Und, jetzt iß endlich!" "Möchtest Du vielleicht noch´n Pudding?" "Nein, gar nichts mehr, danke!" Mama ging mir ganz schön auf den Senkel, wie sie mich dauernd versuchte, abzulenken und das Thema Clemens ignorierte. Was war da bloß damals vorgefallen, daß sie so schnell auseinandergegangen waren? "War es wegen Papa?", forschte ich nach. "WAS war wegen Papa?", fragte Sabine. "Daß nicht mehr aus Euch geworden war?" "Ja, er war schließlich auch verheiratet. Wir wollten beide unsere Ehe nicht gefährden! Wolltest Du nicht noch weg?" "Ach ja richtig, ich muß ja noch zu Svenjas Eltern!" "Komm aber bitte nicht zu spät zurück!" Dann stand Mama auf und begann, abzuräumen. Auch ich stand auf, schnappte mir meine Jacke und verließ das Haus. Irgendwas war doch faul an der ganzen Sache. Wieso ging sie auf meine Fragen nicht ein? Wie gerne hätte ich mich mal mit meinem richtigen Vater ausgesprochen, aber, wie sollte das gehen? Ich hatte ja nicht einmal seine Telefonnummer. Traurig machte ich mich auf den Weg zu Svenjas Eltern....


In der Zwischenzeit schaute Sabine die Post durch und fand einen Brief an mich. Es war der Scheck von Clemens. Neugierig, wie sie war, öffnete sie ihn sofort und sah, daß Clemens dem Scheck einen langen Brief beigefügt hatte. Natürlich las sie ihn sich ganz genau durch. Darin schrieb Clemens, daß er es sehr bedauerte, daß wir so auseinandergegangen waren und daß er mehr Kontakt zu mir wollte. Das wurmte Sabine natürlich total und in ihrer Wut zerriß sie den Brief und schmiß ihn in den Mülleimer. Ich sollte jedenfalls nie davon erfahren. Sie nahm sich vor, alles zu tun, um den Kontakt zwischen Clemens und mir zu unterbinden und einen Keil zwischen uns zu treiben....

Nichtsahnend kam ich wieder nach Hause und setzte mich wieder an den Küchentisch. "Und, was haben Svenjas Eltern gesagt?", fragte sie mich wieder ganz harmlos. "Ach, ihr Vater war ganz verständnisvoll, aber, ihre Mutter drehte komplett am Rad. Als ob ich dafür könnte, daß Svenja plötzlich so austickt!" "Ja, das muß sehr schwer für ihre Eltern gewesen sein. Hauptsache, ich hab DICH wieder!" Sanft strich sie mir über den Kopf. "Nicht auszudenken, was da alles passieren kann, so ganz allen in Thailand!" "Na, wenigstens habe ich so mal meinen Erzeuger kennengelernt!", lenkte ich wieder das Thema auf Clemens. "Dem Du völlig egal bist!", sagte Sabine mit Nachdruck. "Ich kann mir das einfach nicht vorstellen!" "Bist Du immer noch nicht drüber weg, Tim? Es ist doch völlig egal, WER Dein leiblicher Vater ist! Es zählt doch nur, daß er sich um Dich kümmert. Und, das hat Papa all die Jahre getan!" "Papa!", sagte ich verächtlich. "Ja, Volker hat all die Jahre wie ein richtiger Vater für Dich gesorgt! Vergiß das nicht! Und, Clemens hat sich einen Dreck um Dich geschert!" "Ja, aber nur, weil er von mir doch überhaupt nichts wußte!" "Tim, hör endlich auf, zu bohren. Volker wird morgen früh da sein! Ich will, daß Ihr Euch endlich wieder aneinander annähert!" "Und, was ist mit meinem leiblichen Vater?" "TIM, Du HAST einen Vater! Schluß jetzt! Ich will nichts mehr hören!", rief sie streng. Plötzlich reichte sie mir einen Brief. "Da ist übrigens ein Brief für Dich gekommen! Er ist unter die Zeitung gerutscht!" Gespannt schaute ich ihn mir an. Er schien von Clemens zu sein. Voller Freude öffnete ich ihn und war mehr als enttäuscht. Ich suchte fieberhaft nach einem Brief, oder einer Karte, oder irgendwas, doch stattdessen fand ich nur den Scheck. Mama beobachtete mich ganz genau, während sie weiter die Äpfel schälte. "Und, was ist drin?" "Der Scheck für mein Werbeshooting!", sagte ich enttäuscht. "Er hätte doch wenigstens eine Karte oder einen Brief dazuschreiben können!", sagte ich enttäuscht. "Da siehst Du, wieviel Du ihm wert bist! Und, wieviel bekommt man denn für sowas?" "2.200 Euro!" "Ooh, dann hat sich das ja richtig gelohnt für Dich, hm?" Wollte sie eigentlich meine Enttäuschung nicht sehen? "Schon, aber, ich dachte...!" "Hör auf, Tim. Finde Dich damit ab, daß Du ihm völlig egal bist. Glaubst Du mir jetzt endlich? Und, sieh zu, daß Dein Vater und Du Euch wieder mehr annähert!" "Ja, schon gut!", sagte ich. "Sieh es doch mal so: Jetzt kannst Du Dir von dem Geld wenigstens ein kleines Geschenk kaufen! Das ist doch auch schon was, oder?", tat sie, als wenn sie mich trösten wollte. "Ja, ja!", nickte ich. "Siehst Du. Und, jetzt freu Dich auf Deinen Vater! Er hat Dich SOOOOOO lieb!", sagte sie und kniff mir in die Wange. Was sollte ich noch sagen? Ich wußte es nicht mehr. Da klingelte plötzlich mein Handy.

"Wenn ihm das so egal ist, mein Vater zu sein, dann will ich auch nicht sein Sohn sein!", sagte ich trotzig. "Tim Böcking!", meldete ich mich. "Hallo Tim, hier ist Clemens!" "Wer ist das?", fragte Sabine neugierig. Doch, ich ignorierte sie. "Hast Du meinen Scheck erhalten?" "JA!", sagte ich kühl. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, endlich mal mit Clemens reden zu können und es mir so sehr gewünscht, doch jetzt, wo ich wußte, daß ich ihm gar nichts bedeutete, wollte ich nichts mehr mit ihm zu tun haben. "Ich wüßte nicht, was WIR beide noch zu bequatschen hätten!", sagte ich kühl und distanziert. "Ich will mit Ihnen nichts mehr zu tun haben! Sie sind für mich gestorben!", schrie ich in den Hörer und legte auf. Aus dem Augenwinkel sah ich, daß Mama sichtlich erleichtert darüber war. Aber, in mir sah es gar nicht gut aus. Ich war fix und fertig. Wie gern hätte ich einfach gefragt, was er denn gegen mich hätte und mich mit ihm ausgesprochen, aber, er dachte wahrscheinlich wie Sabine. Nämlich, daß ich schon einen Vater hätte. Ich legte auf und starrte dann gedankenverloren ins Leere....

Noch ehe Mama was sagen konnte, stand ich auf und rannte nach oben in mein Zimmer! Dort warf ich mich erstmal auf mein Bett und fing an, zu heulen. Wieso war ich meinem Vater bloß so egal? In Berlin war er doch noch so freundlich. Ich begriff das alles nicht! Klar, die Art, wie ich mich bei ihm eingeschlichen hatte, war natürlich auch nicht gerade toll. Aber, ich hatte den Eindruck gehabt, daß wir uns super verstanden hatten. Was hatte ich bloß falschgemacht? Ich wollte dieses verdammte Geld nicht. Ich wollte, daß er sich um mich kümmerte. Aber, wenn ich ihm so wenig bedeutete, hatte das wohl wenig Zweck. Morgen früh würde auch noch Volker kommen. Ich wußte gar nicht, wie ich nun mit ihm umgehen sollte. War ER doch bisher immer mein Vater. Als er von Clemens erfuhr, war er wütend abgereist. Ich wollte ihn nicht sehen. Mußte das wirklich sein? Ich brauchte noch Zeit. Zeit zum Nachdenken. Wieder spielte ich mit dem Gedanken, abzuhauen. Aber, was würde das bringen? Wenn Clemens mich sowieso nicht haben wollte, dann wäre es wohl besser, wenn ich hier in Northeim bliebe und mein eigenes Leben lebte. Ich richtete mich auf und wollte gerade den Fernseher einschalten, als ich unser Schloß hörte. Das war doch wohl nicht etwa schon Volker? Leise stand ich auf, öffnete die Tür und lauschte. "Volker, Schatz! Schön, daß Du da bist!", sagte Sabine und gab ihm einen Kuß. "Das ist ja eine Überraschung!" "Du weißt doch, ich hab es nicht mehr ohne Euch ausgehalten!" Dieses verlogene Schwein, dachte ich. "Ist Tim denn auch wieder da?" "Ja, er ist in seinem Zimmer!" "Hol ihn doch mal! Ich bin extra wegen ihm früher nach Hause gekommen!" "Das wird ihn sehr freuen, Schatz!", schleimte Sabine ihn zu. Kein Stück freute ich mich. "Ja, werd ich machen!" Schnell schmiß ich mich wieder aufs Bett, schaltete den Fernseher ein und tat so, als würde ich fernsehen. "Timmi, kommst Du bitte mal runter?" "Wieso?", tat ich erstaunt. "Dein Vater ist da! Na, ist das keine Überraschung?" "Toll!", sagte ich sarkastisch. "Freust Du Dich denn nicht?" "Doch, doch, sicher!" Wenn sie jetzt allerdings gesagt hätte, daß Clemens da wäre, hätte ich mich sicher gefreut, aber, Volker? Aber, Clemens würde ja nicht einfach hier auftauchen. Außerdem war ich ihm ja total egal. "Er hat eine Überraschung für Dich! Los, steh auf! Hör endlich auf, Trübsal zu blasen! Clemens ist es nicht wert!" Als sie wieder von Clemens sprach, versetzte es mir einen Stich ins Herz. "Ja, ich komm ja schon! Sag ihm, daß ich in ein paar Minuten runterkomme!" "In Ordnung! Aber, beeil Dich!" Dann verließ sie mein Zimmer und kehrte wieder zu Volker zurück. Jetzt mußte ich tatsächlich da runtergehen und den überglücklichen Stiefsohn spielen, der sich freute, wenn sein Vater nach Hause kam. Boah, wie ich das haßte. Am liebsten wäre ich auf meinem Zimmer geblieben. Doch, immer wieder dachte ich daran, daß Herr Richter absolut nichts von mir wissen wollte. Und, das machte mir die Freude auf Volker leichter. Auch, wenn sie geheuchelt war. Ich atmete noch einmal tief durch und machte mich dann auf den Weg nach unten....

"SO, dann können wir ja jetzt essen gehen!", heuchelte er in seinem süßesten Ton. "Ja!", sagte ich knapp und sah betreten auf den Boden. "Aber, Mama hat noch nicht Bescheid gesagt!" "Gut, dann laß uns nochwas ins Wohnzimmer gehen! Ich habe Dir auch was Schönes mitgebracht, Tim!" "Ja!" Gelangweilt folgte ich Volker ins Wohnzimmer. Er gab mir ein kleines Päckchen. "Na, los, mach´s auf!", drängte Volker. Etwas genervt öffnete ich es und sah, daß er mir ein Schweizer Taschenmesser mitgebracht hatte. "Und, gefällt es Dir?" "Ja, schön, danke!", sagte ich artig und setzte mich aufs Sofa. Meine Gedanken waren bei Clemens. Aber, ich wagte es nicht, in Volkers Gegenwart von ihm zu sprechen. "Wieso bist Du denn so still, Tim?", fragte er plötzlich. "Äh, mir geht es nicht so gut!", log ich. "Ich weiß auch, warum. Und, wehe Dir, Du verschwendest auch noch einen Gedanken an diesen Richter. ICH bin Dein Vater. Oder, willst Du das erst noch spüren?" "Nein, schon gut! Ich sag ja gar nichts mehr!" Offenbar konnte Volker meine Gedanken lesen. "Aber, es verwirrt mich einfach, verstehst Du?" "GAR NICHTS versteh ich! Du bist MEIN Sohn und damit basta. Find Dich damit ab!" "Aber, Du warst doch auch erst sauer auf Mama, weil sie Dich betrogen hat?" "KEIN WORT mehr, Tim, sonst vergeß ich mich!", schrie er mich plötzlich an. "Und, jetzt Schluß mit dem Unsinn! Wir sind und bleiben eine Familie! Merk Dir das mal!" Dennoch merkte ich, daß Volker auch ziemlich unsicher war und ihm das Thema sehr unangenehm war. "Du hast Deinen Spaß bei diesem Werbedreh gehabt und nun muß es gut sein!" Spaß? Dachte er wirklich, da das so ein Spaß für mich war? Ich war völlig verwirrt. Wieso konnte er das denn nicht verstehen? "Wieviel hast Du überhaupt dafür bekommen?" "2.200 Euro!", antwortete ich tonlos. "Dann fällt natürlich die nächsten Monate das Taschengeld flach, mein Junge!", sagte Volker süßlich. "Äh, was? Ja, klar!" Na toll. Hätte ich mal lieber nichts gesagt. Das war doch bloß wieder nur eine seiner Schikanen. Aber, hätte ich es nicht gesagt, hätte Mama es ihm erzählt. "Du kannst Dir ja was Nettes davon kaufen. Und, dann hast Du diesen Typen sicher schnell vergessen. So kannst Du wohl am besten mit ihm abschließen!"
Als ob das so einfach ginge. Dachte er wirklich, ich könnte Clemens dadurch vergessen? "Ja!", sagte ich leise, obwohl ich am liebsten ausgerastet wäre. Aber, ich hatte zuviel Angst, daß Volker seine Launen wieder an mir auslassen würde.

"Volker! Tim! Kommt Ihr bitte essen?", wurde ich von Sabine aus meinen Gedanken gerissen. "Sofort, mein Schatz!", antwortete Volker. "Du hast gehört, was Deine Mutter gesagt hat! Und, benimm Dich gefälligst! Setz nicht so ein Gesicht auf! Dir geht es doch gut! Hast eine Familie, die für Dich sorgt und ein behütetes Zuhause!" Boah, diese verdammte Heuchelei! Ich konnte sie einfach nicht mehr hören. Am liebsen wäre ich rausgerannt. War ich Clemens denn wirklich so egal?, dachte ich traurig, bemühte mich aber, einigermaßen gefaßt zu wirken, da Volker sonst wieder ausrasten würde. "Tut mir leid!", sagte ich leise und folgte meinem Stiefvater in die Küche. Ich setzte mich auf meinen Platz, während Sabine unsere Teller füllte. Es gab Schnitzel mit Rotkohl und Kartoffeln. "Und, was hat Dir Dein Vater Schönes mitgebracht?", fragte sie zuckersüß. "Ein Schweizer Taschenmesser!" "Ooh, das ist ja großartig! Das hast Du Dir doch immer gewünscht!", lächelte sie. "Ja, es ist wirklich schön!", sagte ich tonlos. "Hast Du Dich denn bei Papa auch schon dafür bedankt?" Papa, wenn ich nur allein das Wort hörte, wurde mir ziemlich übel. Sie betonte wohl extra, daß Volker mein Vater wäre. "Äh, nein. Danke, Papa!", brachte ich gequält hervor. "Hab ich doch gern für meinen Sohn gemacht!" Lange würde ich das nicht mehr ertragen können. Dieses dauernde einen auf heile Familie machen. Ich brachte das einfach nicht mehr. Nicht jetzt, wo ich wußte, daß ich einen anderen Vater hatte. Meine Mutter hörte bald gar nicht damit auf, mir den Teller zu füllen. "Nicht so viel bitte!" "Wieso? Du willst doch ein starker Junge werden!", lächelte sie mich an. Ich verzog meinen Mund und meinte nur: "Ja, aber, ich hab nicht so einen großen Hunger!" "Du ißt das jetzt!", sagte Volker streng. "Sowas hat es ja noch nie gegeben! Du hast doch schließlich keine Sorgen, ODER?" Beim letzten Wort blitzte er mich drohend an. Und, ich verstand sofort. "Nein, schon gut. Ich eß es ja!", sagte ich eingeschüchtert. "Braver Junge!", sagte er. Mit Mühe und Not würgte ich mir also Bissen für Bissen runter. Mama und Volker aßen mit Appetit und konnten einfach nicht genug kriegen. Dabei quatschten sie den größten Mist. Keiner schnitt auch nur das Thema Clemens an. Sie taten einfach so, als wenn nichts gewesen wäre. "Noch ein Eis?", fragte Mama, als ich meine Portion endlich auf hatte. "Danke, aber ich bin satt!" "Du hast aber nicht viel gegessen!", tat Volker fürsorglich, dabei war das wieder mal nur Schikane. Er wußte, daß ich DIESE Portion gerade mit Hängen und Würgen runtergekriegt hatte und wollte mich damit quälen, indem ich nochmehr aß. Sabine checkte natürlich nicht, was Sache war. Sie dachte, Volker wäre wirklich um mich besorgt. "Dein Vater hat recht! Du solltest viel mehr essen! Sonst fällst Du uns noch vom Fleisch!" Dann stellte sie mir noch ein Pfirsisch-Eis auf meinen Platz! Ob ich wollte oder nicht. "Das wird Dir sicher schmecken!", sagte sie. "Danke!", antwortete ich, während ich mich zwang, auch noch das Eis zu essen! Volker grinste mich fies an. Gerade, als ich den Teller weggeschoben hatte, klingelte es an der Tür.....

Wer konnte das bloß sein? Volker war noch nicht fertig mit Essen, so daß Sabine aufstand und an die Tür ging. "Und, hat es Dir geschmeckt?", fragte Volker mich. "Ja, war lecker!" "Na siehst Du! Und, dann wolltest Du es erst ausschlagen! Deine Mutter wäre sehr traurig gewesen! Geh jetzt auf Dein Zimmer! Du hast uns heute wieder sehr enttäuscht!" "Ja, werd ich!", sagte ich traurig und wollte gerade aufstehen, als ich hörte, wie Mama sich draußen an der Tür stritt. "Der Junge will Dich nicht sehen! Akezptiere das gefälligst! Und, wage es nicht, hier nochmal aufzutauchen!", giftete sie denjenigen an. "Ich denke, das sollte Tim mir selbst sagen!", hörte ich eine bekannte Stimme. Clemens???? War ich ihm etwa doch nicht so egal? Ich wollte freudestrahlend aufstehen und zur Haustür rennen, als Volker mich zurückhielt. "Laß mich durch! Mein Vater ist an der Tür!" "Du wirst jetzt gefälligst auf Dein Zimmer gehen! Die Angelegenheit regele ich schon!", sagte er und schubste mich leicht zurück. "Verdammt, er ist extra hierhergekommen, um mich zu sehen! Also, bin ich ihm doch nicht so egal!" "Ich habe Dir doch gesagt, daß Du ihn Dir aus dem Kopf schlagen sollst! Endgültig! Ich werde Dir schon zeigen, wer Dein Vater ist!", drohte er mir, packte mich am Arm und zerrte mich nach oben.

Unten hatte Clemens gesehen, daß ich nach oben gezerrt wurde. "Wie geht Ihr denn mit dem Jungen um? Das ist ja menschenverachtend!", rief er erschrocken. "Das geht Dich überhaupt nichts an, Clemens!", sagte Sabine. "Verschwinde endlich aus Northeim und laß Dich nie wieder blicken! Wir sind eine glückliche Familie und wollen es auch bleiben. OHNE Störung von außen!", sagte sie drohend. "Aber, Tim ist MEIN Sohn! Ihr habt kein Recht, ihn mir vorzuhentalten. Ich will doch nur mit ihm reden!" "Hat er Dir am Telefon nicht deutlich klargemacht, daß er von Dir nichts wissen will? Und, jetzt verschwinde!" "Nein, nicht, bevor ich mit meinem Sohn geredet habe!" "Soll ich Volker holen? Du weißt, der ist nicht so gnädig wie ich! Also, entweder Du verschwindest jetzt hier oder ich werde andere Seiten aufziehen!" "Sabine, bitte!" "NEIN!", schnappte sie wütend. "Also gut, dann fahre ich jetzt. Grüß Tim aber ganz lieb von mir, ja?" "Das werde ich ganz sicher nicht tun! Guten Tag!" DAnn schlug sie die Tür zu und Clemens ging zum Wagen.

Von alledem bekam ich natürlich nur die Hälfte mit, da Volker mich in meinem Zimmer einschloß. "Zur Strafe bleibst Du jetzt in Deinem Zimmer!", rief er und schloß mein Zimmer tatsächlich ab. Na, super! Die beiden taten wirklich alles, damit Clemens und ich nicht zusammenkamen. Wie gerne wäre ich jetzt da runtergegangen und hätte Clemens gesagt, wie leid mir das alles täte. Ich hätte mich so gern mit ihm ausgesprochen. Innerlich spürte ich, daß ich Clemens also doch nicht so ganz egal war. Verdammt, ich mußte irgendwas tun. Runter konnte ich nicht und ich hörte, wie Mama die Tür wütend zuknallte. Das hieß, wenn ich jetzt nichts unternehmen würde, würde er unverrichteter Dinge wieder nach Berlin fahren. Immerhin mußte es ihm ja leidtun, sonst wäre er den weiten Weg nicht nach Northeim gekommen. Ich rannte zum Fenster und riß es auf. "Papa!", rief ich Clemens zu. Hoffentlich würde er mich noch hören. Aber, das war unwahrscheinlich. Er war schon zu weit weg....

                                                                                  28.01.05 / 23:07 

Clemens wollte gerade in den Wagen steigen, als er plötzlich innehielt und nach oben schaute. Er rief mich: "Tim! Was machen sie bloß mit Dir?" Ich lächelte ihn an und winkte ihm zu. "Ich hätte nie gedacht, daß Sie hierherkommen würden!" "Aber, wieso DAS denn nicht? Du bist mein Sohn und ich will schließlich mit Dir reden!" "Ganz schön hartnäckig!", grinste ich und war erleichtert, daß ich ihm doch nicht so gleichgültig war. "Und, ich dachte, Sie, äh, Du wolltest nichts mehr von mir wissen!" Ich war hin- und hergerissen. Sollte ich ihn einfach so duzen? Er war zwar mein Vater, aber, ich kannte ihn doch kaum. "Ich kann allerdings nicht runterkommen. Volker hat mich eingesperrt!" "Ja, das habe ich gesehen. Das ist wirklich ungeheuerlich, wie sie mit Dir umgehen! Aber, wenn Du willst, bleibe ich und übernachte hier in der Nähe! Tim, ich will Dich nicht mehr verlieren!", sagte er ernst. Und, es machte mich wahnsinnig froh, daß er sich so für mich einsetzte. "Du würdest wirklich wegen mir hierbleiben?" Das erstaunte mich ganz schön. Und, am liebsten hätte ich sofort ja gesagt, aber, dann dachte ich wieder an Volker und Sabine. "Nein, das brauchst Du nicht!" Doch, es machte mich wahnsinnig wütend, daß ich hier eingesperrt war. "Aber, irgendeine scheiß Möglichkeit MUSS es doch geben, hier rauszukommen!" "Tim, sei vernünftig. Deine Mutter will nicht, daß wir uns sehen!" "Ich weiß!", sagte ich traurig. "Und, ich kapier das einfach nicht! Du hättest Dich doch sicher um micht gekümmert, wenn Du von mir gewußt hättest! Wie konnte sie uns nur so anlügen?" "Tim, wenn ich könnte, würde ich Dich sofort nach Berlin holen!" "Wirklich?", strahlte ich. "Nichts lieber als das! Ich klettere aus dem Fenster und fahre mit Dir mit!" Clemens grinste. "Das geht doch nicht. Und, Du weißt das! Was würde Dein Vater sagen?" "Er IST nicht mein Vater. DU bist mein Vater!" "Schön, daß Du das so siehst. Und, ich werde alles tun, damit wir uns in Zukunft öfters sehen!" "Meinst Du, Du schaffst das?" "Ich weiß zwar nicht, wie, aber, da wird mir schon was einfallen! Auf Wiedersehen, Tim!" Dann wandte er sich wieder zum Gehen. "Bitte geh nicht!", flehte ich ihn an. "Tim, was soll ich denn machen? Deine Eltern lassen mich nicht rein. Und, wenn sie erfahren, daß Du hier mit mir redest, dann rasten sie völlig aus! Wir wollen es nicht noch schlimmer machen, als es ohnehin schon ist! Ich könnte höchstens hier übernachten und es morgen über Tag nochmal versuchen, wenn Dein Stiefvater zur Arbeit ist!" "Ja, mach das! Bitte!" Wieder sah ich ihn flehend an. "Bitte, laß mich jetzt nicht allein, Papa!" Es war schon komisch, von jetzt ab zu einem mir noch völlig fremden Menschen Papa zu sagen. Das mußte Clemens ganz schön rühren, denn er antwortete: "Also gut. Ich schau mal, ob ich in der Nähe was finde und komme dann morgen früh wieder! Schlaf gut, mein Sohn!", rief er mir noch zu, eh er dann in den Wagen stieg und endgültig wegfuhr. Er hatte mich "mein Sohn" genannt! WOW. Solche Worte gingen runter wie Öl. Zufrieden und voller Freude, daß ich mich mit Clemens ein wenig ausgesprochen hatte, schloß ich das Fenster und schmiß mich auf mein Bett. Sollten die beiden doch weiterhin versuchen, mich von Clemens fernzuhalten. Und, sollten sie mir weiter weismachen, daß mein Vater nichts von mir wissen wollte. Ich wußte jetzt genau, daß ich meinem Vater eine ganze Menge bedeutete. Er war wirklich total in Ordnung. Und, daß er sich die Mühe machte, den weiten Weg nach Northeim zu kommen, zeugte von seinem ehrlichen Interesse. Langsam wurde ich müde, zog mich um und legte mich dann schlafen.....


Tim Böcking

 

Fortsetzung folgt!!!!



                                                                        30.01.05 / 22:07 Uhr

3 Männer für Sabine: Clemens, Volker oder Gerner? Wer ist der Richtige?

Sabine Böcking freute sich schon wahnsinnig auf ihren Umzug von Northeim nach Berlin. Sie hat eine kleine Software-Firma und ist damit so erfolgreich, daß sie nach Berlin versetzt wurde. Sicher, leicht würde es bestimmt nicht werden. Immerhin hatte sie jahrelang mit Volker und mir in Northeim gelebt. Und, jetzt sollte sie plötzlich einfach so alles aufgeben? Sie haßte die Großstadt und wußte, daß sie sich niemals richtig wohlfühlen würde. Auch, wenn sie mit gemischten Gefühlen umzog, freute sie sich doch sehr, da sie jetzt schließlich ihren Sohn öfters sehen würde. Sie liebte mich über alles, doch seit ich bei meinem Vater in Berlin wohnte, war nichts mehr, wie es war. Ich fehlte ihr doch sehr. Wenn es nach ihr gegangen wäre, würde ich heute noch bei ihr und Volker wohnen. Aber, sie wußte auch, daß sie mir meinen leiblichen Vater nicht länger vorenthalten durfte. Die Aktionen, die sie gestartet hatte, um zwischen Clemens und mir einen Keil zu treiben, waren mehr als heftig. So wollte sie mir zum Beispiel weismachen, daß er nichts von mir wissen wollte, indem sie einfach einen Brief an mich zerriß. Glücklicherweise war es aber rausgekommen, weil Clemens nach Northeim gekommen war.

"Sabine, bist Du so weit? Wir haben einen langen Weg vor uns! Und, ich habe keine Lust, im Dunkeln in Berlin anzukommen!", rief Volker ihr von unten zu.

Sie war immer noch am Packen und kriegte ihren Koffer nicht zu. "Ja, gleich! Ich kriege meinen Koffer nicht zu!" "Soll ich Dir helfen, Schatz?" "Ja, das wäre nett!" Volker kam die Treppe hoch und betrat ihr Schlafzimmer. Er sah, daß Sabine sich gerade nachdenklich umsah. "Denkst Du, daß es eine gute Idee ist? Volker, wir haben jetzt hier so lange gelebt, ich kann das nicht einfach so alles aufgeben!" "Denk an Tim! Du hast doch selbst gesagt, Du freust Dich, wenn Du ihn öfters siehst!" Auch, wenn Volker das Thema ganz schön auf den Senkel ging, ließ er sich nichts anmerken und versuchte, Sabine zu trösten. Außerdem hatte er keinen Bock auf eine jammernde Sabine. Die Fahrt nach Berlin war schließlich lang. 330 km waren kein Pappenstiel. "Du hast ja recht, Schatz! Wir werden uns sicher ganz schnell dort einleben! Aber, Northeim ist trotz allem unser zu Hause! Was meinst Du, sollen wir das Haus erstmal behalten, falls wir nochmal hier hin zurückwollen?" "Ja, das können wir ja machen. Vielleicht will Tim ja auch mal seine Freunde besuchen und da wäre es schon nicht schlecht, wenn er hier wieder schlafen könnte!" "Ja, das ist ein gutes Argument, Volker! Denkst Du eigentlich, wir können unsere Familie wieder zusammenführen? Jetzt, wo wir in Berlin wohnen und mehr Bezug zu ihm haben, kann er ja öfters zu uns. Und, vielleicht bleibt er dann eines Tages ganz bei uns!", schwärmte Sabine, auch wenn sie wußte, daß es nie so sein würde. "Timmi gehört einfach zu uns, Volker! Ich wünsche mir nichts Sehnlicheres, als daß er wieder zu uns zurückkommt. Auf jeden Fall werde ich ihm gleich ein Gästezimmer einrichten, damit er immer kommen kann, wenn er will!"

"Kommst Du jetzt, Sabine?", drängte Volker, der genug von dem Thema Tim hatte. Er ignorierte Sabines Worte einfach und wollte nur noch los. "Ja, Schatz, gleich! Ich muß nur noch meine Tasche holen, dann geht´s los!"

Endlich waren die Koffer gepackt und Volker begann, sie nach unten zu tragen. Sabine holte ihre Tasche und ging dann ebenfalls nach unten.

Als die beiden das Haus verließen, sah sich Sabine wehmütig noch ein letztes Mal um. Das war mein Zuhause und es wird mir sehr fehlen!, dachte sie und seufzte. Dann schloß sie die weiße Haustür ab und legte den Schlüssel unter die Matte. Lebwohl, geliebtes Northeim!, dachte sie schwermütig und ging dann endgültig zum Wagen, wo sie sich neben Volker setzte.....

Tim Böcking


 


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